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Luzider Traum und Psychoanalyse - Eyes Wide Shut

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Die sogenannten „luziden Träume“ sind nichts anderes als „ideisierende“ oder eidetische Übertragungen, d. h. Übertragungen, in deren Zentrum mehr das Bildhaft-Symbolische steht, nicht so sehr das Worthafte wie in der üblichen Psychoanalyse. Dennoch zeigt der „luzide Traum“ eine Dimension der Übertragung, die in den meisten Analysen überhaupt nicht zum Vorschein kommt und so wohl Freuds Dictum von der „unendlichen Analyse“ mitbestimmt hat.

Solange der Analysand-Patient immer noch etwas frei assoziierend zu sagen hat, ist ja seine Analyse eigentlich nicht beendet, und so stellt sich das Ende der Analyse oft als unbegrenzt und weit abliegend heraus. Um der Pragmatik zu genügen wird daher im Alltag der Psychoanalyse meist ein Ende der Therapie durch gegenseitiges Gentleman-Agreement gefunden. Dies könnte durch eine „ideisierende“ Übertragung schneller und besser gelingen.

Schon in den Träumen der Analysanden stellt sich der Analytiker oft durch eine etwas erhöht sitzende Gestalt, durch ein lehrreiches Buch, ein Szepter oder eben durch das, was J. Lacan mit dem großen griechischen Buchstaben Phi (Ф) und im Französischen mit „le phallus symbolique“ bezeichnete: mit dem väterlichen Fruchtbarkeits-, Stärke- und Potenzsymbol. Kurz und vielleicht auch etwas paradox: dem Symbol fürs transzendente Genießen, für das Metaerotische, für die Lust also, der man jenseits der sonst doch etwas erbärmlichen männlichen, irdischen Lust erfreut.

Im luziden Traum jedoch kann Ф alle möglichen Formen und Gestalten annehmen, denn im luziden Traum erscheint alles glänzend, hell, transparent, beglückend, lustvoll. Man kann durch die herrlichsten Landschaften schweben, die faszinierendsten Einblicke in frühere oder zukünftige Geschichten haben, durch Wände oder andere Hindernisse hindurchgleiten usw.

Doch halt, irgendwo gibt es witzigerweise auch hier irgendwelche Grenzen. Schließlich kann man auch ins Bodenlose, Fratzenhafte und Höllische absinken, und wer weiß, wie man da wieder herauskommt. D. h.eine auch nur einigermaßen stabile Persönlichkeit kommt da leicht wieder heraus, schließlich ist man im luziden Traum ja weitgehendst wach, man kann sich also etwas steuern. Doch gerade dadurch wird auch der luzide Traum oft etwas langweilig.

Was ich mir selbst wie eine schnell eingelegte DVD immer wieder ansehen kann, wohin mich nur mein Ich steuert, kann leicht unbefriedigend und spürbar einseitig werden. Ich will doch nicht nur meine Tiefen (und Höhen), sondern vor allem ja auch die eines Anderen ergründen, und da hapert es mit dem luziden Traum. Man erliert sich immer wieder in der „ideisierenden“ Übertragung, d. h.man sieht niemals wirklich den wirklich Anderen, sondern alles nur durch eine stets noch leicht narzisstisch, also durch Eigenliebe gefärbte Brille. Wenn wir uns doch selbst nicht so immens schätzen würden!

So sehr ein gewisses Maß an Eigenliebe oder fachlich ausgedrückt: Narzissmus im üblichen Leben notwendig ist – in der Psychoanalyse spricht man oft auch vom gesunden Narzissmus – so sehr ist dieser hinderlich, will man den Anderen wirklich „sehen“, in seinem Sein „visieren“, tief Einblick haben. Hier kann nur eines helfen: man muss, wenn man den „luziden Blick“ hat, die Augen gesenkt halten oder noch besser: mit – wie der letzte Film S. Kunbricks hieß: - „Eyes Wide Shut“ (mit weit geschlossenen Augen) blicken. Ich habe diesen Blick, den man also in gewisser Weise auch im „luziden Traum“ hat (wo er jedoch wie gesagt umherirrt) auch den „inständigen Blick“ genannt, denn es ist ein Blick, in dem man sich und dem anderen sehr vertrauen können muss.

Es muss ein der Liebe unterstellter Blick sein, ein wohlwollender, begreifender Blick. Ja, gerade wenn man es psychoanalytisch ausdrücken will, könnte man sagen, es muss ein „angemessen erotisierter“ Blick sein, ein Blick, der sich im Griff hat. Der also wie im „luziden Traum“ gesteuert ist, aber nunmehr in eine konkrete, aufbauende, psychotherapeutische Richtung geht.

Dies war der Blick in S. Kubricks Film (der eine Nachinszenierung von A. Schnitzlers Traumnovelle ist) nicht. Hier wie in Schnitzlers Novelle verirrte sich der Blick im abstrus Sexuellen, obwohl man aus heutiger Sicht sagen könnte, dass hier der Blick noch sehr gezähmt war. In diesen Kunstwerken war der Blick doch noch ziemlich unserer Norm angepasst, die ja auch ein bisschen erotische Phantasie verträgt, ist sie doch sonst so sehr von der „Augentäuschung“ durchsetzt. „Blickzähmung“ und „Augentäuschung“ sind Begriffe aus der Lacanschen Psychoanalyse und betreffen eben einerseits die Täuschungen, mit denen uns Politiker, Banker und Elfenbeinturmgelehrte die alltägliche Norm unserer Wirklichkeit präsentieren.

Andererseits die Zähmung, damit wir nicht zu tief ins Glas abgründiger Erotiken oder grauslicher Aggressivität schauen. Genau so etwas beinhaltete nämlich Freuds „Urszene“, und somit wird ganz klar, dass der „inständige“, eigentliche, wahrhaft „luzide“ Blick da – bei der „Urszene“ - hindurch und darüber hinweg schauen können muss. Es ist also ein tief streifender, nicht durchschauender (wenn damit ein letztlich sich im Erkennen – „den oder den habe ich durchschaut“ – verfangender Blick gemeint ist), sondern ein auf-, er-, begreifender Blick, der eben solange und nur solange der Liebe unterstellt bleibt, wie es zum auf-, er-, und begreifen nötig ist.

Um so einen Blick einsetzen zu können, muss man Erfahrungen und eine Ausbildung gemacht haben, wie ich sie in der Analytischen Psychokatharsis beschrieben habe.

Literatur
Weiterführende Literatur:
Herzsprache. Eine Psychoanalyse des Herzens
Analytische Psychokatharsis: Eine Verbindung von Meditation und Wissenschaft
Ich liebe, also bin ich: Die Geschichte einer Erotomanie und der Versuch einer Dialektik der Liebe
 

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