Ähnlich kann man sich das Wesen der Ökopsychoanalyse vorstellen. Es sind ja nicht nur die Eltern oder andere menschliche Bezugspersonen, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt, das Klima, die Geologie und andere Umweltfaktoren, die dem Kleinkind als eigenständige Wesen erscheinen und als solche in seine frühe Psyche integriert werden. Schon vor fast hundert Jahren hatte G. Hellpach in seinem Buch "Geopsyche" versucht, derartige Umweltbezüge auf den Menschen zu erklären. Er hatte jedoch keine psychoanayltische Ausbildung und konnte so die wesentlichsten, weil besonders unbewussten Zusammenhänge zwischen der Neuro-Psyche (dem Unbewussten) und der Umwelt nicht beschreiben.
Meines Wissens hat E. Gartmann als erste den Begriff Ökopsycho-analyse verwandt, onwohl sie ebenfalls keine Psychoanalytikerin ist. Ihre Arbeit gilt jedoch ausschließlich dem Vegetarismus. Zu Recht behauptet sie, dass die Kinder zu unökologischem Verhalten erzogen werden, indem man sie von frühester Kindheit an zum Fleischkonsum anregt, owohl dieser mehr als das Zehnfache der Proteinresourssen verbraucht als pflanzliche Nahrung. Aber die Wirkung auf die Psyche ist unklar. Eine Verringerung der Aggressivität ist nicht bewiesen. Hindus, die vegetarisch leben, haben in ihren Auseinandersetzungen mit Moslems die gleichen Gewaltexzesse betrieben. Hier gelten Buddhisten eher noch als Vorbilder, obwohl sie Fleisch essen. Der Vorteil und das Wesen des Vegetarismus ist sicher ökologisch wertvoll, aber psychopanalytisch nicht zu erklären oder gar zu beweisen.
Wir müssen die Betrachtung also anders aufziehen. Es kommt offensichtlich nicht vorwiegend darauf an, ob vegetarisch gelebt wird oder nicht, sondern wie man die Nahrung zubereitet und zu sich nimmt. Ob man sie mit einer gewissen Wertschätzung zu sich nimmt oder einfach nur als Ware verschlingt. Es sind aber im Wesentlichen noch ganz andere Faktoren, die einen Begriff wie den der Ökopsychoanalyse verständlich machen. Denn in ihr wird der Schwerpunkt nicht auf die politische Sichtweise gelenkt, sondern auf die persönliche, auf die intersubjektiven Beziehungen, auf die Liebe zu dem, was E. Schumacher das "small is beautiful" genannt hat. Auf den - wie es die Schriftstellerin A. Roy benannte - "Gott der kleinen Dinge."
Roy ist Inderin und sie beschreibt nicht den Gott der Armen, obwohl es um solche Menschen aus Kerale geht. Vielmehr zeigt sie auf, wie man mit Liebe zu ein paar Dingen, Augenblicken, menschlichen Gesten und Worten, Pflanzen und Tieren eine Welt gestalten kann, die vlielleicht nie die große Weltbühne erreicht, abert dennoch im Zenith des psychophysischen Universums steht.
Um dies jedoch auch psychoanalytisch deuten zu können, muss man das Trieb-Struktur-Konzept S. Freud heranziehen und es etwas ändern. Ich stütze mich hier besonders auf die Psychoanalyse J. Lacans, der diese kleine Welt der Buchstaben, der symbolischen Ordnung, der sprachlichen Werte aufgegriffen hat, um die Beziehungen unter den Menschen psychoanalytisch zu interpretieren. NUn kann man diese Psycholinguistik auch auf die Umwelt übertragen. Ich habe dies in ein Verfahren eingepackt, das ich Analytische Psychokatharsis nenne, und das jeder selbst erlernen kann (siehe die Download-Broschüre zur "körperlich kranken Seele", die eine Kurzfassung davon darstellt.
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